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Akupunktur-Massage nach Penzel/Radloff (APM)

Die Akupunktur-Massage (APM) wurde von dem deutschen Masseur Willy Penzel (1918-1985) entwickelt. Penzel orientierte sich an den überlieferten klassischen Gesetzen der chinesischen Energielehre und fand einen originären Weg, um die energetischen Gesetzmäßigkeiten in eine logische, nachvollziehbare Behandlungstechnik zu integrieren.

Bedingt durch die gesetzlichen Bestimmungen musste Penzel eine nichtinvasive Methode entwickeln. Dies führte ihn zu der Idee, nicht nur den Akupunkturpunkt, sondern den gesamten Meridian mittels eines speziellen Massagestäbchens zu behandeln. Hierzu war es, neben grundsätzlichen Studien zur Energetik, wichtig, sich mit der Energieflussrichtung der verschiedenen Meridiane auseinander zu setzen, da der Stäbchenzug immer in der Flussrichtung der Meridianenergie durchgeführt wird. Penzel fasste die grundlegenden energetischen Gesetzmäßigkeiten der Akupunktur zu einem System zusammen, dessen praktischer Wert sich schnell in der täglichen Praxis bewährte. Hierbei entdeckte er beispielsweise, dass die Energieflussrichtung des Du Mai in der Literatur falsch angegeben ist.

Klaus Radloff, ein enger Mitarbeiter Penzels, gab der APM viele neue Impulse und trug schon in den achtziger Jahren wesentlich zur Entwicklung dieser Behandlungstechnik bei. Dieser Artikel bezieht sich schwerpunktmäßig auf die Inhalte der Radloff-Schule, da von hier auch heute noch wichtige therapeutische, aber auch kritische Impulse ausgehen.

Da der Therapeut innerhalb der APM verschiedene Möglichkeiten hat, sich über den aktuellen energetischen Zustand der Meridiane zu informieren, erkannte man bald, dass energetische Phänomene, die heute auch als Fülle, Leere, Stagnation und Unregelmäßigkeit bezeichnet werden, sehr häufig mit Blockaden der verschiedenen Extremitäten- und Wirbelsäulengelenke verbunden sind. So bildet sich vor einer Gelenkblockade ein energetischer Fülle- und hinter der Blockade ein energetischer Leerezustand. Deshalb wurde schon früh eine energetisch orientierte Behandlung der Wirbelsäule in das Konzept der APM integriert, welches im Laufe der Jahre ebenfalls immer weiter entwickelt wurde.

Besonders Radloff trug wesentlich zur Entwicklung dieser Technik bei. So baute Radloff auf der dreidimensionalen, biomechanischen Betrachtung der Gelenkmechanik ein Behandlungsmodell auf, welches sich in der praktischen Arbeit sehr bewährt hat. In Radloffs Konzept wird die Wirbelsäule als ein Organ definiert, dessen Arbeitsweise in seiner funktionalen und energetischen Gesamtheit untersucht und therapiert wird.

Weiter entwickelte Radloff eine Testmethode, die es (ohne elektrische Geräte) ermöglicht, energetische Informationen von der Ohrmuschel und der Concha abzurufen. Diese Technik liefert zu einem hohen Prozentsatz verlässliche und reproduzierbare Aussagen über das Vorhandensein von Gelenkblockaden und die energetische Beschaffenheit verschiedener Körperbereiche. Dies ermöglicht dem Therapeuten, während der Behandlung zu überprüfen, ob die Manipulation am energetischen System den gewünschten Erfolg zeigt.

Die APM behandelt entgegen der klassischen Technik der Akupunktur primär Meridiangruppen, Meridiane und Meridianabschnitte. Eine Punktbehandlung erfolgt, wenn nötig, erst gegen Ende der Behandlung. Der Akupunkturpunkt wird in der APM in erster Linie als Werkzeug verstanden, um energetische Mechanismen zu unterstützen.

Da bei der APM vor und während der Therapie die energetischen Verhältnisse überprüft werden, handelt es sich um eine sehr individuelle Vorgehensweise, die sich an den aktuellen Bedürfnissen des Patienten orientiert. Radloff betont immer wieder die Wichtigkeit der Beachtung der aktuellen energetischen Verhältnisse, da die Orientierung an westlichen Symptomen auch innerhalb der APM primär nicht Gegenstand der Therapie ist.

Diese Vorgehensweise, den Akupunkturpunkt als einen Teil des energetischen Steuerungssystems zu betrachten, basiert auf der klassischen Ansicht der chinesischen Medizin, die Meridiane als Kanäle, Bäche oder Flüsse darzustellen. Der Akupunkturpunkt hat bei dieser Betrachtungsweise dann die Aufgabe einer Schleuse, mit der der "Wasserstand", also das Qi, reguliert werden kann. Mit diesem Modell lassen sich sowohl die lokale als auch die Fernwirkung einer Manipulation erklären. Grund hierfür ist die Tatsache, dass sich mit Akupunktur ja kein Qi erzeugen, sondern nur die Verteilung innerhalb des gesamten Systems beeinflussen lässt. Dadurch wirkt sich die Manipulation an einer Stelle immer auf das gesamte Energiesystem aus.

Ist das Kanalsystem an bestimmten Steilen "verstopft", bilden sich vor dem Stau entweder ein energetischer Füllezustand und dahinter eine energetische Leere oder eines der schon beschriebenen Muster, wie das Stagnieren oder die Unregelmäßigkeit des Qi. Mit dem Stäbchenzug versucht der Therapeut, diese Blockaden, die den Fluss des Qi behindern, zu beseitigen, um wieder normale Energieflussbedingungen zu schaffen. Hierzu werden zum Beispiel energetisch unterversorgte Meridiane tonisierend behandelt.

Die Beobachtung zeigt, dass nach der APM Punktbehandlungen besser ansprechen. Dies erklärt man sich so, dass der Meridian quasi das Stromkabel und der Punkt den Schalter darstellt. Der Schalter (Punkt) funktioniert natürlich besser, wenn das energieführende Kabel (Meridian) intakt ist.

Im folgenden Beispiel soll der Aufbau einer APM kurz theoretisch dargestellt werden.

1. Befunderhebung
Die Befunderhebung erfolgt in der Regel über die Interpretation der vorhandenen Ohrpunkte. Ist dies nicht möglich, so weicht man auf die Meridiantastung aus.

2. Meridiantherapie
Nehmen wir an, die energetische Untersuchung des Patienten zeigt, dass dieser tendenziell zu einer Leere im System der Yang-Meridiane neigt. Nun wird man innerhalb der ersten Behandlung alle Yang-Meridiane behandeln. Hierdurch führt man dem Yang massiv Energie zu und entlastet gleichzeitig das Yin des Patienten. Diese Behandlung führt in der Regel zu dem sogenannten Ebbe-Flut-Effekt, der alle Meridiane tangiert und so viele leichtere Störungen im energetischen System beseitigt.

3. Überprüfung des Behandlungsergebnisses
Nach der Meridianbehandlung erfolgt sofort eine erneute Befunderhebung, um eventuell zurückgebliebene Störungen im energetischen System (Übergänge, Narben) nochmals zu behandeln.

4. Überprüfung der Wirbelsäulen- und Extremitätengelenke
Begleitet werden diese energetischen Behandlungen immer durch die Überprüfung und Manipulation der Gelenke. Auch hier wird nach jeder Grifftechnik sofort überprüft, ob die Gelenkblockade beseitigt ist. Auch dabei verwendet man in erster Linie die Ohrpunkte.

Je nach Reaktion und aktuellem Befund wird in der folgenden Sitzung dann über die Umläufe und in den weiteren Sitzungen beispielsweise über Regeln wie Mittag-Mitternacht oder Ehemann-Ehefrau behandelt. Radloff weist darauf hin, dass auch der Körper die Regeln (Gesetzmäßigkeiten) der Akupunktur kennt und diese nutzt, um Disharmonien auszugleichen. So zeigte sich, dass eine schematische Anwendung von Akupunkturregeln im Rahmen der APM nicht der richtige Weg ist. Der Therapeut versucht deshalb, innerhalb der Behandlung herauszufinden, welchen Weg der Körper gegangen ist und richtet danach die zur Anwendung kommende Technik. So versucht der Therapeut die kybernetischen Wechselwirkungen so zu berücksichtigen, dass eine möglichst optimale Meridian- und Punktauswahl erfolgen kann.

Während der Behandlung kristallisiert sich meist schnell die hauptsächliche Störung im System heraus. In manchen Fällen bedient man sich innerhalb der APM des Konzeptes der Fünf Elemente. Auch hierbei liegt der Schwerpunkt allerdings auf der energetischen Betrachtung und Anwendung.

 

 

Befundanalyse für Akupressur

Befunderhebung über die Ohrpunkte

Die bekannesten Schulen für APM sind:

APM-Schule nach Penzel

APM-Schule nach Radloff

Verband für angewandte energetische Therapie

 

Über Akupressur

 

Zusammenfassung der APM:

Die APM ist eine besondere Form der Akupunktur und wurde von dem deutschen Masseur Willy Penzel (1918 - 1985) entwickelt. Bedingt durch die gesetzlichen Bestimmungen musste Penzel eine nichtinvasive Methode entwickeln. Dies führte ihn zu der Idee, nicht nur den Akupunkturpunkt, sondern den gesamten Meridian mittels eines speziellen Massagestäbchens zu behandeln.

Penzel orientierte sich an den überlieferten klassischen Gesetzen der chinesischen Energielehre und fand einen originären Weg, um die energetischen Gesetzmäßigkeiten in eine logische, nachvollziehbare Behandlungstechnik zu integrieren.

Die konsequent-praktische Umsetzung der energetischen Gesetzmäßigkeiten führte zu einer Behandlungstechnik, die eine eigenständige Technik im Bereich der Akupunktur darstellt, welche die bestehenden Konzepte effektiv zu ergänzen vermag.

 

Wichtige Therapieprinzipien der APM

• die Therapie erfolgt mit einem Stäbchen und richtet sich nach dem aktuellen energetischen Zustand des Meridiansystems

• ständige Befundung des aktuellen energetischen Zustands

• Behandlung nach dem Yin-Yang Konzept

• Beachtung eventueller Gelenkblockaden, um Störungen im Energiesystem zu beseitigen, welche durch Gelenkblockaden verursacht werden

• Einsatz energetischer Gesetzmäßigkeiten

• eine Punktbehandlung erfolgt erst nach der Meridianbehandlung.

 

Dieser Aufsatz ist erschienen in der Zeitschrift "Akupunktur in Theorie und Praxis, Ausgabe 1/2000 

Verlag: mlverlag

 

Literaturempfehlungen:

Hempen, C. H.: DTV-Atlas zur Akupunktur. Deutscher Taschenbuchverlag, 1999.
Radloff, K:
Grundlagen der APM, Band A 1987/Band B 1998.
Radloff, K:
Beckenfehlstellungen und Auswirkungen auf die Wirbelsäule. VeT-Mitteilungen 1/97.
Radloff, K:
Aurikulotherapie, Ohrakupunktur und Ohr-Reflexzonen-Kontrolle. VeT-Mitteilungen 3/99.
Ross, J.:
Akupunktur-Punktkombinationen. Medizinisch Literarische Verlagsgesellschaft, Uelzen, 1999.
Stux, Stiller, Pomeranz:
Akupunktur. Springer-Verlag, 1993.