Regulierung von Verdauung & Darmmilieu

Der Darm ist das größte Immunorgan unseres Körpers. Ausgestülpt dehnen sich die Zotten und Falten des bis zu acht Meter langen Darms auf die Größe eines Tennisplatzes. Im oberen Abschnitt des Darms ist das Milieu noch sauer, und es finden sich nur wenige Mikroorganismen, die das stark saure Magenmilieu überlebt haben. Mit wachsender Entfernung vom Magen steigen sowohl der pH-Wert des Darms als auch die Anzahl und Artenvielfalt der Bakterien wieder an.

Die Darmschleimhaut (Mukosa) hat bei der kontrollierten Aufnahme von Stoffen in den Organismus eine vielfätige Aufgabe. Einerseits sollen auf die gesamte Darmlänge wichtige Nahrungsbestandteile möglichst effektiv in den Stoffwechsel übergehen, andererseits sollen schädliche Anteile davon (pathogene Mikroorganismen, Allergene, Toxine, Oxidanzien) möglichst vom Organismus ferngehalten werden. Für ein reibungsloses Funktionieren dieses komplexen Wechselspiels ist eine hohe Integrität und Funktionsfähigkeit der Darmschleimhaut erforderlich.

Neben der Darmschleimhaut bildet die mikrobielle Darmflora einen weiteren Baustein des gastrointestinalen Immunsystems. Wir sprechen hier von 100 Billionen Bakterien, die mit rund 400 verschiedenen Spezies und Subspezies ein komplexes ökologisches System darstellen. Ein wichtiger Teil davon sind die probiotischen Milchsäurebakterien, die für ihr Fortbestehen auf regelmäßigen Nachschub über die Ernährung oder über gezielte Aufnahme von Nahrungsergänzungen angewiesen sind. Ein hoher Prozentsatz chronischer Erkrankungen kann auf Störungen in der Zusammensetzung dieser Keime zurückgeführt werden. Nach heutiger Schätzung leiden ca. 80 % der Menschen unter mehr oder weniger stark ausgeprägten Darmflorastörungen.[31]

Wie der Darm unsere Emotionen steuert

Ursache für ein „Durcheinander“ im Darm ist in vielen Fällen die Psyche. Kein anderes Organ reagiert so schnell auf unsere Emotionen wie der Darm. „Wir haben Schiss“ oder „Schmetterlinge im Bauch“ – jeder hat das schon erlebt. Die Verdauung reagiert jedoch nicht nur auf unsere Gefühle, sie dirigiert unsere Emotionen auch direkt. Wissenschaftler sprechen von einer „Darm-Hirn-Achse“, auf der die Informationen in beide Richtungen augetauscht werden. Beachtliche 90 % davon wandern vom Darm ins Gehirn, und nur einen kleinen Teil sendet der Kopf an den Bauch. Der Darm ist also eher die Kommandozentrale, die dem Hirn unser Befinden mitteilt und damit auch unsere Gefühlswelt bestimmt.

Forscher wissen heute, dass es drei Funktionsmechanismen sind, über die der Darm Einfluß auf unsere Emotionen nimmt:

  • 100 Millionen Nervenzellen durchziehen die Darmwände und liefern Informationen an den Vagusnerv. Ist im Darm alles o.K., fühlt man sich wohl, wenn nicht, können Angstgefühle hochkommen.
  • Im Magen-Darm-Trakt werden ca. 20 unterschiedliche Hormone gebildet (Sättigungs-, Appetit- und Glückshormone), die über das Blut ins Gehirn gelangen und dort unsere Gefühlswelt beeinflussen. Ist etwa wenig Peptid YY, das Sättigungshormon, im Blut, hat man nicht nur Hunger, sondern auch einen Hang zu Depressionen.
  • Die Darmbakterien kümmern sich nicht nur um die Verdauung, sondern sie setzen auch Signalstoffe frei, mit denen sie den Vagusnerv aktivieren. Ebenso produziert die Bakterienflora des Darms Botenstoffe, mit denen sie Einfluss auf das Gehirn nehmen. Auch an der Produktion des Glückshormons Serotonin sind die Darmbakterien zu 95 % beteiligt.

Durch Krankheit, Antbiotika, Stress und falsche Ernährung wird die Zusammensetzung der Darmflora verändert, und diese Keime verbreiten nicht unbedingt die beste Stimmung. Andererseits kann durch die gezielte Zufuhr von ausgesuchten Bakterienstämmen die Darmgesundheit nachweisbar verbessert werden, und dann reagiert man z.B. auch weniger gereizt auf stressige Situationen.

Das nächste Kapitel ist daher zunächst den Probiotika gewidmet und im folgenden weiterer Helfer aus dem Bereich der Stoffe, die gezielt unser Immunsystem unterstützen.

zum nächsten Kapitel >Probiotika

verdauungssystem

Bei ca. 60 -70 % der chronisch kranken Patienten mit z.B. Allergien, Neurodermitis, Asthma, findet man einen Befall mit dem Hefepilz Candida albicans.

Die körpereigene Immunabwehr gilt als bester Schutz gegen eine Infektion mit Pilzen – bei bestehender Immunschwäche funktioniert dieser Selbstschutz jedoch nicht mehr optimal.

Forscher der Ohio State University berichten, dass das Temperament von Kleinkindern mit der Vielfalt bestimmter Darmbakterien korreliert. Eine große Bakterienvielfalt stimmt die Babys friedlicher.