Zuviel Eiweiß in der Nahrung führt zu beträchtlichen Kalziumverlusten über den Urin. Genau das ist bei Milch und Milchprodukten (besonders Käse) der Fall. Hinzu kommt, dass viele Menschen Kuhmilch schlecht vertragen. Schätzungsweise 80 % der Menschen (vor allem Asiaten) bilden das lactosespaltende Enzym Lactase nach der Säuglingszeit nicht mehr und sind laktoseintolerant. Sie werden daher als Alaktasier bezeichnet. Innerhalb Europas gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle. In Deutschland sind 15 %, in Österreich 20 %, in Frankreich und Norditalien 30 %, in Griechenland und Süditalien bis zu 70 % Alaktasier. Für sie ist Milch ein gefährlicher Krankmacher. Daher ist das folgende Kapitel der Milch gewidmet.

Milch besser nicht![10]

So lautet der Titel eines Buches von Maria Rollinger und das zu Recht. Milch als angeblich vortreffliche Kalziumquelle, besonders in Zusammenhang mit unseren sonstigen Ess- und Lebensgewohnheiten, muss mit einem großen Fragezeichen versehen werden.

Die Annahme, dass Milchgenuss mit einer guten Kalziumversorgung gleichzusetzen sei, ist selbst im Denken der Experten immer noch so stark verankert, dass diese sogar für Alaktasier eine Kalziumsubstitution oder Milchprodukte mit geringem Laktosegehalt empfehlen. Das ist merkwürdig, denn viele Alaktasier leben ohne sie und ohne Mangel. Schaut man über den Tellerrand der Milchländer hinaus, fällt auf, dass die gesamte restliche Welt ohne Milchprodukte und Kalziumsubstitution auskommt, sofern sie nicht die westliche Ernährungsweise übernommen hat.

Die kalziumhemmende Wirkung von zuviel Eiweiß in der Nahrung ist unumstritten. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass in den Industrieländern die Eiweißversorgung erheblich zu hoch ist. Was läge da näher, als die mangelhafte Kalziumversorgung mit der zu hohen Eiweißaufnahme in Verbindung zu bringen. Solches Denken ist jedoch unpopulär. Es folgert daraus, dass tierische Eiweißquellen (Milchprodukte, Fleisch, Eier) im Gegensatz zu pflanzlichen Eiweißen in besonderem Maße zu Kalziumverlusten führen. Dies vor allem durch ihren höheren Gehalt an Natrium und Methionin, das in Käse, Quark und Joghurt reichlich vorhanden ist.

Der Mechanismus Eiweißüberschuss-Kalziumverlust (Hypercalciurie) funktioniert folgendermaßen:

Anders als Fett und Kohlenhydrate kann der menschliche Organismus Eiweiß nicht über längere Zeit speichern. Nicht verwertetes Eiweiß wird daher abgebaut und ausgeschieden. Dabei fungiert Kalzium als Säureneutralisator, denn beim Eiweißabbau enstehen Säuren, die das Säure-Basengleichgewicht des Organismus beeinträchtigen. Als Gegenreaktion bindet meist das Kalzium als basisches Mineral die Säuren, sodass es zur Neutralisation und Ausscheidung der Säuren kommt. Gleichzeitig wird damit aber auch das Kalzium mit ausgeschieden.

Ist nicht genügend freies Kalzium vorhanden, wird dieses aus den Knochen mobilisiert. So trägt ein dauernder Eiweißüberschuss zusammen mit einem nicht adäquaten Kalziumangebot aus der Nahrung zur Kalziumentleerung der Knochenbei.

  • Nur etwa ein Drittel des Gesamtkalziums der Milch ist in gelöster Form vorhanden. Im Labkäse, also fast allen Weich-, Schnitt- und Hartkäsen, liegt überhaupt kein freies Kalzium mehr vor, weil es fest an Eiweiß gebunden ist.
  • Das zur Kaseinspaltung in der Kindheit vorhandene Enzym Chymase, ist im Erwachsenenalter nicht mehr vorhanden. Könnte es sein, dass der Käse, den wir verspeisen, eher nur halbverdaut den Darm passiert und damit auch das an ihn gebundene Kalzium?
  • Während Gemüse meist ein ausgeglichenes Kalzium-Magnesium-Gleichgewicht haben, ist es bei der Milch unausgewogen, was für eine ausreichende Kalziumversorgung als hinderlich angesehen wird.
  • Das Problem der Laktoseintoleranz bei Alaktasiern wird unterschätzt. Bei Betroffenen ist während der Einnahme von Milchprodukten die Kalziumresorption gehemmt. Entsprechend ist die Osteoporoserate bei Alaktasiern wesentlich höher als bei der übrigen Bevölkerung.[12]

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milch

Eine Harvard Studie zeigte, dass weder Milch noch eine hohe Nahrungskalziumaufnahme das Frakturrisiko nach der Menopause reduzierten. Ein Reduktionseffekt ging allein von Vitamin D aus, das jedoch in Milch fast nicht vorhanden ist.[10/11]

Milch ist reich an so genannten insulinähnlichen Wachstumsfaktoren (IGF-I), die im Verdacht stehen, das Tumorwachstum zu begünstigen.

So ergaben verschiedene Langzeitstudien der Harvard-Universität, dass bei Männern, die täglich mehr als zwei Gläser Milch trinken, das Prostatakrebs-Risiko um das 2,4-fache erhöht ist und dass bei den regelmäßig viel Milch trinkenden Frauen das Brustkrebs-Risiko um das 2,2-fache höher ist. Das Risiko für Eierstocktumore wächst bei einem täglichen Milchkonsum von mehr als zwei Gläsern Milch auf über 44 %.