Süßen mit Stevia und Xylit

Stevia wird seit Jahrhunderten in Mittel- und Südamerika als Heilpflanze und zum Süßen von Mate-Tee verwendet. Es hat in neuerer Zeit zuerst in Asien aber mittlerweile auch weltweit einen hohen Marktanteil als Süßungsmittel gewonnen. Von Limonade über Kaugummi und Sojasauce, von Eiscreme bis Gebäck oder auch Zahnpasta, wird eine Vielzahl von Produkten mit Stevia gesüßt.

Dabei ist Stevia praktisch kalorienfrei, beeinträchtigt den Blutzuckerspiegel nicht und verursacht kein Karies. Diabetiker können mit Stevia Gesüßtes ohne Reue und ohne Insulinspritze genießen. Bei ADHS-Kindern wurde beobachtet, dass sie weniger zappelig und weniger aggressiv sind, wenn Zucker durch Stevia ersetzt wird.

Seit seiner lange zurückgehaltenen Zulassung durch die EU im Dezember 2011 hat sich der Stevia-Markt enorm bewegt, sodass es jetzt in vielfältiger Form erhältlich ist: als Konzentrat in flüssiger Form, als Tabletten oder als getrocknete Blätter.

Weniger geeignet ist Stevia für das Süßen von Kaffee, und je nach Dosierung auch bei Tee, weil hier ein unangenehm bitterer Beigeschmack entsteht. Aber da eignet sich dann Xylit , dem der folgende Abschnitt gewidmet ist und das ich auch persönlich – neben Kokosblütenzucker – als Süßungsmittel vorziehe, um so besser.

Xylit (Xylitol) wurde vom späteren Nobelpreisträger Emil Fischer entdeckt und ist seit 1891 in der organischen Chemie als Fünf-Kohlenstoff-Zucker bekannt. Erst durch die Zuckerknappheit im zweiten Weltkrieg wurde er als Süßstoff für Nahrungsmittel industriell hergestellt.

Xylit kommt in Obst und faserreichem Gemüse, vor allem in Mais, aber auch in Hartholz und Birkenrinde vor und wird daher auch Birkenzucker genannt. Im gesunden Stoffwechsel werden ganz natürlich 5-15 Gramm davon täglich als Zwischenprodukt beim Traubenzuckerabbau gebildet.

Anders als der säurebildende Rohrzucker und andere Zuckerersatzstoffe wie Sorbit hemmt Xylit das Wachstum schädlicher Bakterien und wirkt basenbildend. Dabei sieht Xylit genauso aus wie der gewohnte Industriezucker und schmeckt auch so. Während Zucker jedoch schädlich für uns ist, stärkt Xylit das Immunsystem, schützt vor chronisch degenerativen Krankheiten und hemmt den Alterungsprozess. Auch in Bezug auf die Gesundheit von Zahnfleisch und Zähnen verkehrt Xylit die zerstörerischen Auswirkungen von Zucker ins Gegenteil.

Das ist umso bedeutsamer, seit bekannt ist, dass Zahnfleischinfektionen das Risiko eines Schlaganfalls verdoppeln, das Risiko eines Herzinfarktes verdreifachen und das Risiko für Frühgeburten erhöhen können. Auch bei der Entstehung von Bronchitis, Lungenentzündung und Lungenemphysem gibt es diese Korrelation. Tatsächlich sind die Bakterien, die Zahnfleischentzündungen auslösen, dieselben, die später das Herz und die Arterien angreifen.

Wie Stevia wird auch Xylit vom Menschen insulinunabhängig verstoffwechselt. Es lässt den Blutzuckerspiegel nur unwesentlich ansteigen und hat 40 % weniger Kalorien als Rohrzucker. Aufgrund des anders gearteten Stoffwechsels von Tieren kann Xylit z.B. bei Hunden und Kaninchen jedoch schon in geringen Mengen einen lebensbedrohlichen Abfall des Blutzuckerspiegels bewirken. Wer Haustiere hält, muss das unbedingt beachten!

Da Xylit im Darmtrakt nur langsam resorbiert wird und durch seine Wasser-Affinität den Stuhl verflüssigt, kann bei Einnahme ab 20 g pro Tag eine abführende Wirkung auftreten, welche nach einer Gewöhnungsphase verschwindet (bei Sorbit besteht diese Anpassung nicht, daher wirkt Sorbit immer abführend).[3]

Mehrere hundert Studien haben gezeigt, dass die Sucht nach Süßem nachlässt, wenn Zucker durch Xylit ersetzt wird. Bedenkt man, welch weitreichende Auswirkungen das auf unsere Gesundheit haben könnte, ist es erstaunlich, dass Xylit nicht weiter verbreitet ist.

zum nächsten Kapitel >Bio Kokosöl – VCO (Virgin Coconut Oil)

stevia

Da Stevia dem Körper Kohlenhydrate vorgaukelt, ohne sie zu liefern, ist es nicht ganz unumstritten. Zumindest kann es indirekt einen Dickmacheffekt haben, weil man hungrig bleibt und dies dann doch unbewusst mit kalorienreichen Lebensmitteln ausgleicht. Dies gilt in gleicher Weise auch für andere kalorienarme Zuckerersatzstoffe.*

*Da Zuckerersatzstoffe in in vielen Nahrungsmitteln eine große Rolle spielen, hier neben dem Vorgenannten noch einige wichtige Hinweise:

Bei einer Sorbitunverträglichkeit ist die Verwertung von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise aufgehoben. Außer in Diät-/Lightprodukten sowie in fast allen herkömmlichen Kaugummis und Lutschpastillen ist Sorbit in vielen einheimischen Obstsorten, z. B. Pfirsich, Aprikose oder Pflaume in nicht unerheblichen Mengen enthalten. Dies gilt um so mehr auch für Trockenobst. Menschen mit Fructoseintoleranz (das betrifft allerdings nur sehr wenige) dürfen auch kein Sorbit zu sich nehmen, da es im Stoffwechsel in Fructose umgewandelt wird.

Isoglukose erhöht den Blutzuckerspiegel genauso wie anderer Industriezucker, jedoch erzeugt diese neue und für die Industrie kostengünstigere Zuckerart kein Sättigungsgefühl im Gehirn. Dieser Zucker hat dadurch ein hohes Suchtpotential und man sollte ihn unbedingt meiden. Auf den Verpackungen steht jedoch nicht Isoglukose sondern Glukose-Fructose-Sirup oder Mais-Sirup.

Bei Aspartam gibt es eine lange Liste möglicher Nebenwirkungen, auf die ich hier nicht näher eingehe, da Aspartam nicht Hauptthema des Buches ist. Fazit: Sorbit, Aspartam & Co. besser vermeiden!

Bezugsquellen für original Birkenzucker (Xylit) aus Finnland